Aufschreiben, was man gemacht hat
Das Lerntagebuch
Die Entstehung von Lerntagebüchern geht auf die 50er Jahre zurück. Der Lerner rückte in den Mittelpunkt des Verständnisses des Lernprozesses. Er erwirbt Wissen aktiv. Hierbei soll das Lerntagebuch durch zielgerichtete Bewusstmachung bei der Reflexion des eigenen Handelns helfen. Nach Jäger (2007), dem dieses Unterkapitel inhaltlich folgt, ist ein Lerntagebuch „ein Hilfsmittel […] zur Förderung der Selbststeuerung und Selbstbewertung des eigenen Lernens“ (ebd., S. 312). Die Kinder notieren dort Lerninhalte, Fragen, Probleme, Ziele, Vermutungen, Erwartungen, persönliche Erfahrungen etc. Jäger unterscheidet persönliche Verschriftlichungen, Online-Versionen und standardisierte Lerntagebücher. Persönliche Verschriftlichungen können ohne Raster spontan erfolgen oder an einem Raster bzw. differenzierten Fragen ausgerichtet sein. Online-Versionen können Vordrucke zum Ausfüllen oder direkt online im Netz ausgefüllt werden. Standardisierte Lerntagebücher sind in Form von Fragebögen mit Bewertungsskalen denkbar.
In der Grundschule dürfte das Lerntagebuch, als persönliche Verschriftlichung in einem Heft, am häufigsten sein. Hier notieren die Schüler im Unterricht oder auch daheim Aufgaben, Beobachtungen, Probleme, gefundene Lösungen oder ähnliches. Das Lerntagebuch dient der Reflexion von bereits Gelerntem. Es ermöglicht dem Kind eine Eigenbeurteilung des individuellen Lernstandes. Lerntagebücher sollen eigene Lernwege bewusst machen sowie Hindernisse auf diesen aufzeigen. Es können offene Fragen und Überlegungen notiert werden. Lerntagebücher ermöglichen bei längeren Lernprozessen eine Rückschau auf bereits Getanes. Sie dienen auch der Selbstkontrolle der Arbeit und des Lernerfolges. Nicht zuletzt üben sich die Kinder auch im Formulieren von eigenen Gedanken etc. Dem Lehrer können Lerntagebücher als Rückmeldung individueller Lernprozesse dienen. Sie können Hinweise auf nötige Veränderungen im Unterricht geben. Ausgehend von den individuellen Notizen ist eine bessere Betreuung einzelne Kinder mit Verständnisproblemen möglich.
Das Lerntagebuch kann jedoch einzelne Schüler überfordern, da es hohe Anforderungen an den Lerner stellt. Dies gilt sowohl für die Fähigkeit das eigene Handeln zu reflektieren, eigene Gedanken zu formulieren als auch für die Fähigkeit den Lernprozess zu erfassen und zu reflektieren.
Lerntagebücher bieten dem Lehrer ein Feedback von den Schülern. So können Vorbereitungen auf den Unterricht oder Hinweise auf weitergehende Lernprozesse als Hinweis auf eine hohe Motivation des Lerners sein. Rückmeldungen, über Gegenstände, die kein Interesse geweckt haben, gelten als Hinweise dafür, die eingeschlagenen Methodik und/oder Didaktik zu verändern“ (Jäger 2007, S. 313). Einträge in Lerntagebüchern können zeigen, ob es gelungen ist „falsche, unbestimmte oder unklare Wissensbestände in explizites Wissen zu überführen“ (Jäger, 2007, S. 315). Ob also ein begrifflicher Wandel von Präkonzepten über Phänomene der unbelebten/belebten Natur zu naturwissenschaftlich korrekten Vorstellungen stattgefunden hat.